Matthäus-Passion von J.S. Bach

„Am Karfreitag 1727, kurz vor Ablauf seines vierten Amtsjahres in Leipzig, präsentierte Bach in der Thomaskirche [...] die Passion nach Matthäus [...] Die ‚große Passion’ übertraf in jeder Hinsicht Bachs bisherige Vertonungen der biblischen Passionsgeschichte, aber im Blick auf formale Dimensionen, den für die Aufführung erforderlichen Aufwand, kompositorische Meisterschaft und technische Bravour sowie durch ihre mächtige, mitreißende Ausdruckskraft ließ sie überhaupt alles hinter sich, was im Bereich der geistlichen Musik damals üblich oder auch nur vorstellbar war. [...] Bach konnte zwar nicht ahnen, dass die ‚Große Passion’ mehr als jedes andere seiner Werke im wahrsten Sinn des Wortes Geschichte machen würde,[...] doch in jedem Aspekt und Detail der Matthäus-Passion [...]wird spürbar, dass er mit diesem Werk alles überbieten wollte, was er oder andere Komponisten jemals geschrieben hatten. Die aus 68 teilweise extrem langen Sätzen bestehende Komposition erforderte einen achtstimmigen Doppelchor und ein reich bestücktes Doppelorchester.“ (Christoph Wolff, Johann Sebastian Bach, Ffm 2000)


Während Mendelssohn bei der Aufführung von 1829, die das Werk aus fast 80jähriger Vergessenheit zurückholte, 150 Sänger aufbot,  brachte das Collegium Vocale Berlin, der Kammerchor Berlin, Concerto Brandenburg das Werk in einer schlanken Besetzung, die der Bachs von 1727 besser entspricht, zu Gehör, im  legendären Klangraum der Jesus-Christus-Kirche Dahlem.

 

                                                                                                                         Wulf Niepold