Johann Sebastian Bach "Kantate zum 1. Ostertag"

Der Himmel lacht! Die Erde jubilieret BWV 31

Johann Sebastian Bach komponierte diese Ostersonntags-Kantate im Jahre 1715 in Diensten des Herzogs von Weimar. Als Textquelle diente Bach eine Paraphrase des Osterevangeliums aus dem im selben Jahr erschienenen Evangelischen Andachts-Opfer des Weimarer Hofdichters Salomon Franck. Wiederaufführungen in Leipzig mit leicht variierten Besetzungen sind für die Jahre 1724 und 1731 belegt.

Der Einleitungs-Sonata verleihen Pauken, drei Trompeten, Oboen und geteilte Streicherstimmen einen besonders glanzvollen, fröhlichen Festcharakter. Sechs signalhafte Takte ziehen die Aufmerksamkeit auf die Verkündigung der frohen Osterbotschaft, die dann jubelnd von einer Instrumentalgruppe zur nächsten weiter getragen wird, bis der fünfstimmige Chor sie schließlich ausspricht. Zwischen zwei Fugen geht in einem homophonen Adagio-Teil der Blick zurück auf Jesu Grabesruhe; der Aufgriff des Choranfangs im instrumentalen Nachspiel bekräftigt den Auferstehungsjubel. Im Bass-Rezitativ setzt er sich zunächst fort, ehe der Text eine erste ernste Wendung nimmt: Er konfrontiert den Menschen mit seiner Schuld am Tod Christi. Schlicht von einem Basso continuo in streng akzentuierten Ostinato-Figuren begleitet, wirft die Bass-Arie die Frage nach den Konsequenzen aus Christi Leiden, Opfer und Sieg auf. Im Tenor-Rezitativ wird sie lautmalerisch („Ein Christe flieht ganz eilend von dem Grabe!“) und in der liedhaft-melodiösen Arie mit einem ernsten Appell beantwortet: Der Mensch muss die Auferstehung Christi innerlich nachvollziehen und Christus nacheifern, den „alten Adam“ ablegen, sich erneuern und die Sünde überwinden. Der Lohn für diese Mühen ist der Verbund mit Christo und Gott, dies lässt Bach im Sopran-Rezitativ verkünden. Die letzte Arie trägt eine überraschende Bitte vor: Den Wunsch, zu sterben. In die zarte, wiegenliedartige Instrumentalbegleitung mit lieblichem Oboensolo webt Bach in tiefer Lage den Sterbechoral Wenn mein Stündlein vorhanden ist von Nicolaus Herman (1560) ein. Die transzendente Wirkung dieser Arie weiß Bach im Schlusssatz noch zu steigern; kontrastierend zum tiefoktavierenden Fagott überstrahlen erste Trompete und erste Violine die letzte Strophe des Chorals von Herman.

Sehnsucht nach dem Tod mag in einer Osterkantate zunächst befremdlich wirken, doch hat sie mit Lebensmüdigkeit nichts gemein, sondern ist Ausdruck der Vorfreude auf die eigene Auferstehung, die Vereinigung mit Jesu und das ewige Leben – das Credo des Christen.

Andrea Geffers 2008

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