Carl Philipp Emanuel Bach "Magnificat" D-Dur

Carl Philipp Emanuel Bachs Magnificat Wq 215 entstand 1749 in Berlin, wo er acht Jahre zuvor zum Kammercembalisten ernannt worden war. Als Anlass für die Komposition nennt Carl von Winterfeld unter Berufung auf eine Mitteilung Zelters die Bewerbung des 35jährigen um den Titel eines Hofkapellmeisters bei Prinzessin Amalie von Preußen, der Schwester Friedrichs des Großen. Ernst Fritz Schmid vermutet, dass sich Bach mit dem Magnificat um das Leipziger Thomaskantorat – als Nachfolger seines Vaters – beworben hat.

Wann die Uraufführung des Werkes in Berlin oder erst während Bachs Hamburger Zeit stattgefunden hat, ist ungeklärt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Johann Sebastian Bach sie noch miterlebt hat. Bei diesem Gedanken drängt sich unweigerlich ein Vergleich mit dessen gleichnamiger Komposition (BWV 243) auf. Carl Philipp Emanuel Bachs Magnificat zeigt deutliche thematische sowie klangliche und satztechnische Anlehnungen an das seines Vaters und Lehrers.

Für die Bass-Arie Fecit potentiam und das Duett Deposuit verwendet der Sohn kurzerhand die textentsprechenden Kopfmotive aus BWV 243, und von Umarbeitungen und Ergänzungen, die er in späten Jahren vorgenommen hat, blieben die Parallelen zum Magnificat des Vaters unberührt. Doch gestaltet Carl Philipp Emanuel Bach seine Komposition insgesamt schlichter und transparenter und verbindet in ihr traditionelle mit vorwärtsgerichteten Stilmerkmalen. Sie zählt in den vokalsolistischen Partien zu den anspruchsvollsten Vertonungen des Lobgesangs der Maria aus dem ersten Kapitel des Lukas-Evangeliums. Mit der Tenor-Arie Quia fecit folgt Bach dem Typus einer Triumpharie, wie wir sie aus Händels Opern und Oratorien kennen. Mit der Häufung von gefühlsbetonenden Vorhalten wie in der Sopran-Arie Quia respexit ist er dagegen ganz dem neuen Stil der Empfindsamkeit verpflichtet. Die Chorsätze hält er weitgehend homophon und schließt im Gloria Patri mit Rückgriff auf den Eingangschor die Klammer um seine Komposition, bis er sie endlich in einer ausgedehnten Amen-Doppelfuge gipfeln lässt.

Spätere Komponisten ließen sich nachweislich von Bach anregen, Anklänge an das Magnificat finden sich u.a. in Messen von Wolfgang Amadeus Mozart. Beispiel einer Entsprechung ist der Themenkopf des Sicut erat als Beginn des Kyrie in Mozarts Requiem.

Carl Philipp Emanuel Bach hat aus seinem Magnificat mehrfach parodiert. Einige Arien und Chöre sind in Pfingst- und Passionsmusiken eingeflossen, das Sicut erat erklang 1784 als Schlusschor der Ostermusik.

Andrea Geffers 2008

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